Editorial im August 2017

prof dr hubert gindert

Liebe Leser,

 

wir leben in der Zeit nach Pfingsten. Die liturgische Farbe der Kirche ist wieder das Grün. Entscheidend ist aber nicht die Farbe, sondern der Geist. Leben wir von Pfingsten her? Petrus hat am Pfingsttag keine nette Rede an die Menge der damals bekannten Welt gehalten. Er hat sie vielmehr mit dem Auferstandenen konfrontiert „den ihr ans Kreuz geschlagen und aus dem Weg geschafft habt“ (Apg 2,24). Den Fragenden rief er zu: „Kehrt um und jeder lasse sich auf den Namen Jesu taufen … und ihr werdet den Heiligen Geist empfangen.“ Auf diesen Geist kommt es an, überall, damals und heute!

 

Am diesjährigen Pfingsttag kamen Katholiken und Evangelikale in Rom zusammen. Sie wollten an den Anfang der Charismatischen Erneuerungsbewegung vor 50 Jahren erinnern. Papst Franziskus sprach zu ihnen am 3. Juni 2017 über die zwei Versuchungen geistlicher Gemeinschaften: „Die Verschiedenheit ohne Einheit“, in der sich Gruppen hinter den eigenen Vorhaben verschanzen, sich für besser als die anderen halten und nur mehr ihr „Charisma“, aber nicht mehr das Ganze sehen. Sie sind zu einer gemeinsamen Initiative mit anderen nicht fähig. Man kann solches Verhalten beobachten z.B. bei Demos für das Leben oder gegen die Genderideologie und die Frühsexualisierung von Kindern in Schulen etc..

 

Die zweite Versuchung besteht darin, auf „Einheit ohne Verschiedenheit“ zu pochen, d.h. andere zu einer uniformierten Vorgehensweise zu verpflichten oder keine zusätzlichen Akzente zuzulassen. Wir finden das, wenn Gemeinschaften nur einen Weg der Neuevangelisierung für möglich halten oder wenn z.B. der Katholikenrat von Berlin und der BDKJ sich vom „Marsch für das Leben“ distanzieren, weil evtl. politisch Andersdenkende als sie mitgehen könnten.

 

Papst Franziskus fügt seinen Worten an die Charismatiker noch hinzu: „Wir werden einmal nicht für unseren Lobpreis beurteilt, sondern für das, was wir für Christus getan haben.“ Das erinnert an den Satz „Lieben wir nicht mit dem Wort und mit dem Mund, sondern in Wahrheit und mit dem Werk“ (1 Joh 3,18). Es geht also um die Umsetzung der leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit. Begeisterung allein reicht nicht. Papst Franziskus fordert ein neues Herz. Er meint damit eine neue geistige Haltung. Ein Beispiel dafür lieferten die Christen in den von IS-Terroristen besetzten Gebieten im Irak. Die Christen der verschiedenen Konfessionen haben sich gegenseitig gestützt. Kein einziger Christ ist trotz der Schikanen zum Islam übergetreten (Tagespost, 17.06.2017). Weil sich negative Entwicklungen weltweit in der globalen Gesellschaft ausbreiten, verlieren manche Christen den Mut, öffentlich Zeugnis für den Glauben abzulegen. Der 17. Kongress „Freude am Glauben“ hatte deswegen das Motto „Fürchte dich nicht du kleine Herde“. An einer Reihe von Beispielen konnte aufgezeigt werden, wieviel wenige, selbst einzelne Personen auch heute Positives bewirken können.

 

Das Wort Jesu „Fürchte dich nicht, du kleine Herde“ geht weiter mit „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Die Kraft seiner Gegenwart ist es, die den Pfingstgeist in uns zur Wirkung bringt.

 

Mit den besten Wünschen

 

Ihr Hubert Gindert und das Redaktionsteam

 

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